Die QR-Karte im übersetzten Gottesdienst: was darauf gehört

Den Code groß drucken, die Sprachen in ihrer eigenen Schrift nennen, einen Satz zu den Kopfhörern dazu. Alles andere auf der Karte ist Dekoration.

Veröffentlicht 2026-09-18

Den Code groß drucken, die Sprachen in ihrer eigenen Schrift nennen, einen Satz zu den Kopfhörern dazu. Alles andere auf der Karte ist Dekoration.

Die Karte ist kein Flyer. Sie hat eine einzige Aufgabe: jemanden, der die Sprache des Raumes nicht spricht, vom Hinsetzen bis zur Predigt zu bringen, ohne dass er jemanden fragen muss. Was das nicht tut, steht im Weg.

Was auf die Karte gehört

Vier Dinge, in dieser Reihenfolge.

Der QR-Code, und er ist das Größte auf der Karte. Der weiße Rand darum herum bleibt, wie er ist — dieser stille Rand gehört zum Code, und wer ihn beschneidet, damit das Layout aufgeht, hat die Karte kaputtgemacht.

Die Sprachen, geschrieben in ihrer eigenen Schrift. Nicht „Übersetzung verfügbar", und keine Reihe kleiner Fähnchen. Wer Persisch spricht, findet sich in einer Tabelle europäischer Flaggen nicht wieder; eine Zeile فارسی · Українська · Deutsch wird von genau der Person sofort gelesen, für die sie gedacht ist, und von allen anderen überblättert. Fahnen sind noch aus einem zweiten Grund keine gute Idee: eine Fahne ist ein Staat, und die Menschen, die ihr erreichen wollt, haben mit dem Staat auf der Karte oft eine komplizierte Geschichte.

Ein Satz zu den Kopfhörern. „Kopfhörer mitbringen oder am Empfang fragen." Zu dem Thema gibt es einen eigenen Beitrag darüber, was man bereithält; auf der Karte reicht der Satz.

Eine kurze Internetadresse unter dem Code, für das Telefon, dessen Kamera nicht scharf stellt. Kurz genug, um sie mit einem Daumen zu tippen.

Das ist die Karte. Kein Logo, das größer ist als der Code, keine Erklärung der Technik, und vor allem kein Code, der auf die Startseite der Gemeinde führt, wo der Link zur Übersetzung dann irgendwo versteckt ist.

Wohin damit

In die Bank, nicht an die Tür. Was am Eingang liegt, nehmen die Leute mit, denen es ohnehin leichtfällt, etwas mitzunehmen. Wer die Karte am nötigsten braucht, kommt oft spät, setzt sich hinten hin und schaut niemandem in die Augen. Eine Karte, die schon dort liegt, verlangt nichts.

Ein Stapel an den Empfangstisch gehört trotzdem dazu, und eine Karte in die Hand dessen, der dort steht: die zweitmeistgestellte Frage des Morgens ist „woher bekomme ich diese Karte".

Wo es Gesangbücher gibt, ist die Karte im Gesangbuch gut aufgehoben. Sie fällt beim Aufschlagen heraus, sie geht nicht verloren, und sie liegt am Sonntag darauf wieder an derselben Stelle.

Denselben Code dann auf die Leinwand, bei den Ansagen und noch einmal kurz vor der Predigt. Die Version auf der Leinwand muss die letzte Reihe überstehen: etwa ein Viertel der Bildhöhe, auf weißem Feld, und lange genug stehen lassen, dass jemand das Telefon findet, entsperrt, die Kamera öffnet und zielt. Das dauert länger, als es klingt — zählt einmal bis fünfzehn, während ihr den Code anschaut.

Was draufstehen soll, wörtlich

Kurz. Die Form, die sich bei uns bewährt hat:

Den Gottesdienst in deiner Sprache hören [QR-Code] فارسی · Українська · Deutsch Kopfhörer mitbringen oder am Empfang fragen. deinegemeinde.at/live

Nicht „Scannen Sie für unser mehrsprachiges Erlebnis". Nicht „mit KI". Wer die Karte in der Hand hält, entscheidet in etwa zwei Sekunden, ob sie ihn meint. „In deiner Sprache" plus die eigene Schrift beantworten das; ein Slogan nicht.

Der Name der Gemeinde darf auf die Rückseite. Die Vorderseite gehört dem Code.

Was wir falsch gemacht haben

Drei Sonntage voller Fehler, damit sie euch einen sparen.

Die erste Auflage hatte den Code auf der Rückseite, damit vorne etwas Schönes stehen konnte. Die Leute haben vorne gelesen, die Karte hingelegt und nie umgedreht.

Die zweite Auflage war laminiert. Glänzend, und unter den Deckenstrahlern im schrägen Winkel kaum zu scannen. Mattes Papier, immer.

Und einmal führte der Code auf eine Seite, auf der man erst den Gottesdienst und dann die Sprache wählen musste. Jeder zusätzliche Fingertipp ist jemand, der aufgibt. Der Code landet auf der Sprachliste und sonst nirgends.

Der Fehler, der uns bis heute passiert: die Karte nützt nichts, wenn vorne niemand den Satz sagt. Die Karte erreicht die, die Karten lesen. Vierzig Sekunden von vorne gesagt erreichen den Raum.

Wie viele drucken

Für die Bänke weniger, als man denkt — eine auf zwei Plätze in den Reihen, in denen Gäste wirklich sitzen. Für den Empfangstisch mehr, als man denkt, denn die Karten wandern in Jackentaschen und kommen nicht zurück. Teuer sind sie nicht. Nachdrucken, sobald sich die Sprachen ändern, und sie ändern sich: unsere eigenen Sonntage in Wien laufen inzwischen auf Farsi und Armenisch, weil das die Menschen sind, die gekommen sind. Die Karte musste hinterher.

Vor dem nächsten Sonntag

Eine einzige Karte drucken. Damit am Samstag in die letzte Reihe gehen, bei dem Licht, das ihr sonntags wirklich habt, und sie mit dem ältesten Telefon im Haus scannen. Öffnet sich die Sprachliste in wenigen Sekunden, druckt den Rest. Öffnet sie sich nicht, liegt es nicht an der Karte, sondern an der Seite dahinter.

Wer vorher den ganzen Morgen durchgehen möchte, vom Kabel bis zur Karte: die Sonntags-Checkliste steht daneben.

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